Kreuzungspunkt zwischen Ost und West

Unberührte Natur, pulsierende Städte in Aufbruchstimmung und eine geschichtsträchtige Vergangenheit – das ist das Baltikum, zu dem im engeren Sinne die drei Staaten Estland, Lettland, Litauen und die russische Exklave Kaliningrad (das russische Baltikum) gerechnet werden.

Wegen der günstigen geografischen Lage an der Ostsee reicht die Besiedlung des Baltikums weit in die Geschichte zurück. Im Frühmittelalter bestanden enge Beziehungen zwischen den baltischen Stämmen und der Kiewer Rus. Später wurde das Baltikum vom Deutschen Orden, Dänemark, Polen-Litauen, Schweden und Russland kontrolliert. In vielen baltischen Hafenstädten hat die Hanse eine lange Tradition. Seit Peter dem Großen gehörte das Baltikum für über 300 Jahre zum Zarenreich, erhielt sich aber weitgehende kulturelle und eine gewisse innenpolitische Autonomie.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die unabhängigen Republiken Litauen, Estland und Lettland gegründet, die 1940 von der Sowjetunion wieder okkupiert und annektiert wurden. Im Zweiten Weltkrieg von deutschen Wehrmachtstruppen besetzt, wurden die drei Staaten 1944 von der Sowjetunion zurückerobert. Königsberg und das ehemalige Nordostpreußen wurden 1946 direkt der Russischen Sowjetrepublik angegliedert. In den kommenden Jahrzehnten wurden viele Russen und Angehörige anderer Sowjetrepubliken im Baltikum angesiedelt, die heute vor allem in Lettland und Estland große russischsprachige Minderheiten bilden.

Im Zuge der Perestroika erklärten Litauen, Lettland und Estland 1991 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion und leiteten einen Demokratisierungsprozess und marktwirtschaftliche Reformen ein. 2004 wurden alle drei Republiken in die Europäische Union aufgenommen. Der Beitritt zum Schengen-Raum wurde im Dezember 2007 vollzogen.

Das Kaliningrader Gebiet wurde mit der Unabhängigkeitserklärung Litauens als Teil der Russischen Föderation zur Exklave. Den störungsfreien Transit zwischen Kaliningrad und dem russischen Kernland über litauisches EU-Territorium regeln Sonderabkommen zwischen Russland und der Europäischen Union . Eine langfristige Entwicklungsstategie für die “russische Insel Kaliningrad im Meer der EU” wird allmählich mit Inhalten gefüllt. Das von Präsident Wladimir Putin vielfach propagierte Konzept der “Pilotregion für die Beziehungen zwischen Russland und der EU” konnte bislang aber kaum realisiert werden.

Wirtschaftlich haben sich die drei baltischen Republiken in den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise sehr erfolgreich entwickelt. Zu einer der wachstumsstarken Branchen gehört der Ostsee-Tourismus. Anziehungspunkte sind die historischen Altstädte von Riga (Lettland), Tallinn (Estland) und Vilnius (Litauen), die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, sowie einzigartige Naturdenkmäler wie die Kurische Nehrung. Das Kaliningrader Gebiet, bis 1991 militärisches Sperrgebiet, kann mit diesem Wirtschaftswachstum bisher nicht mithalten. Anfang der neunziger Jahre zur Sonderwirtschaftszone erklärt, haben sich aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen bislang nur wenige ausländische Investoren in der Exklave engagiert. Ende 2005 wurde auf Beschluss der russischen Duma in Kaliningrad eine neue Sonderwirtschaftszone eingerichtet.

Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 23. November 2009 von Redaktion | Anmelden